Hintergrund

Das folgende Interview führte Sven Klamann, Chefredakteur der Barnim-Regionalausgabe der Märkischen Oderzeitung mit Hartmut Ginnow-Merkert. Es fasst die Beweggründe zusammen, aus denen heraus sich die Initiative Unser Finowkanal gegründet hat:

1. Mit welchem Ziel hat sich der´Verein „Unser Finowkanal“ gegründet?

Einige von uns hatten sich schon als Solarbootverein längere Zeit für den Finowkanal eingesetzt. Als wir uns dann immer näher mit dem Finowkanal befassten, wurde uns klar, welches Potenzial hier schlummert.
Im April letzten Jahres trafen sich dann ein paar Leute aus der Region. Anlass war die drohende Schließung einiger der Schleusen. Damit hätte man dann jede wassertouristische Entwicklung im Finowtal ein für alle Mal vergessen können. Also wollten wir zu allererst irgendwie dazu beitragen, dass die Schleusen erhalten und weiter betrieben werden. Aus der Initiative wurde dann im Dezember der Verein, und es kam ein weiteres Ziel hinzu: Die vielen Baudenkmale aus der Pionierzeit der deutschen Industrialisierung – die Teufelsbrücke am Messingwerk, die Borsighalle, den Waggonaufzug, die Papierfabrik, und und und – dürfen doch nicht einfach so dem Verfall überlassen werden. Das geht doch gar nicht.

2. Wie sehen Sie den Ist-Zustand der Wasserstraße?

Im Moment ist die Wasserstraße Topp. Noch. Das WSA hat ja ganze Arbeit geleistet und trotz finanzieller Einschnitte durch das Bundesverkehrsministerium erreichen können, dass die Schleusen bis jetzt noch funktionieren. Und dank der Arbeit der KAG (Kommunale Arbeitsgemeinschaft Finowkanal) stehen auch in diesem Jahr wieder Schleusenwärter an den Schleusen. Doch über unserem historisch so bedeutenden Finowkanal hängt ein Damokles-Schwert: Jeden Tag kann es passieren, dass die erste Schleuse plötzlich aus Sicherheitsgründen gesperrt werden muss. Und dann ist es schlagartig vorbei mit dem wassertouristischen Entwicklungspotenzial für die Finowkanalregion. Ein für alle Mal. Die Situation ist dramatisch. Schon 2015 kann der Finowkanal am Ende sein.

3. Welche Hoffnungen haben Sie, die durchgängige Befahrbarkeit des Kanals zu erhalten, auch wenn mittlerweile zehn der zwölf Schleusen in einem schlechten Zustand sind?

Die Bundesregierung sagt, also für „nur“ touristisch genutzte Wasserwege gibt es kein Geld mehr. Das Land Brandenburg sagt zwar, unsere Zukunft liegt im Wassertourismus. Doch alles Geld geht in diesen Flughafen. Der Landkreis Barnim behauptet, für den Finowkanal haben wir kein Geld. Die Stadt sagt, wir tun alles was wir können mit dem Geld, das wir haben. Nur reicht das nicht. Die Stadt Eberswalde allein kann die Kosten für den Unterhalt aller 12 Schleusen zwischen Ruhlsdort und Liepe wirklich nicht stemmen. Wir sehen aber, dass in Kreis und Land doch immer allerhand Geld für alles Mögliche und Unmögliche da zu sein scheint. Es ist ja alles eine Frage der Prioritäten. Nun ist 2014 ein wichtiges Wahljahr, und so denken wir, dass wir vielleicht etwas dazu beitragen können, dass in diesem Jahr einige Weichen für den dauerhaften Erhalt des Finowkanals gestellt werden. Das große Interesse in der Bevölkerung gibt uns Hoffnung, dass wir hier alle gemeinsam etwas bewirken können.

4. Welche Reaktionen gab es bislang auf die Vereinsgründung?

Nun, wir sind ja schon ein paar Monate an der Sache dran. Wir sehen ein wachsendes Interesse an unseren Finowkanal-Geschichten-Wanderungen. Beim Eberswalder Stadtforum verhalfen die Bürger der Stadt dem Finowkanal zu vier Plätzen unter den Top Ten. Bei unserem Finowkanal-Symposium am 27. Januar war der große Saal im Paul-Wunderlich-Haus proppevoll, und wir bekommen Zuspruch aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Zuletzt schloss sich sogar der schweizerische Schleusenverein unserer Initiative an. Ein Besucher aus Westfalen schrieb über das Symposium: „Die Anreise war jeden [der gefahrenen 1000] Kilometer wert. Auch meine Hochachtung für Ihre Leistung in rekordverdächtiger Zeit von wenigen Wochen!!“ Wir erleben nichts als begeisterte Zustimmung und Unterstützung jeglicher Art. Inzwischen bekennt sich die Leitung der Stadt Eberswalde klar und unumwunden zum Finowkanal, wofür wir sehr dankbar sind. Die Stadt Eberswalde hat am meisten zu gewinnen. Aber auch zu verlieren. Und überhaupt verdankt sie dem Finowkanal ihre Existenz.

5. Wird es weitere Veranstaltungen wie das Symposium geben?

Wir werden noch in diesem Sommer ein größeres, aber etwas mehr fachlich orientiertes Symposium durchführen. Momentan unterstützen wir außerdem die KAG bei einem Projekt, mit dem wir aufzeigen werden, welches Potenzial an Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum für Eberswalde und den Barnim im Wassertourismus hier im Finowkanal steckt. Im Rahmen dieses Projekts werden im April Wassertourismusexperten aus verschiedenen Ländern Europas in unsere Region kommen. Mit denen planen wir in Zusammenarbeit mit der KAG weitere gemeinsame Veranstaltungen. Und noch in der ersten Jahreshälfte erwarten wir den Besuch einiger Mitglieder des Bundestages, die sich für die Situation hier am Finowkanal interessieren und auf deren Unterstützung wir zählen. Der Finowkanal braucht in den nächsten Jahren einige Millionen, und wir denken, dass diese für den Erhalt der ältesten von Menschen gebauten Wasserstraße Deutschlands und für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region gut eingesetzt sind. Wir werden in der MOZ und über unseren Email-Verteiler über unsere Veranstaltungen informieren. Im März werden wir auch unsere neue Website freischalten.

6. Was kostet der Mitgliedsbeitrag + wohin können sich an einem Beitritt Interessierte wenden?

Sobald die langwierige Anmeldeprozedur bei Finanzamt und Amtsgericht hinter uns liegt und wir endlich offiziell im Vereinsregister stehen, können wir Mitgliedsbeiträge erheben. Der Jahresbeitrag wird 24 Euro betragen; Schüler zahlen nichts, und jeder, der unsere Arbeit mit höheren Beiträgen unterstützen will, bekommt dafür eine Spendenquittung. Wer möchte, darf sich gern schon jetzt als Interessent anmelden, die Emailadresse ist <unser-finowkanal@t-online.de>.

7. Und woran arbeiten Sie zurzeit?

Also, zunächst steht die Planung für die nächsten Finowkanal-Geschichten-Wanderungen an. Auf dem Programm steht der Rohrleitungsbau (Rofin-Park), die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn und der Werbellinsee mit seinen Unterwassergeheimnissen. Und später im Jahr geht es zur Weinverkostung nach Niederfinow. Wir würden gern die Eröffnung der neuen Stadtpromenade am 21. Juni mit einem Bootskorso oder Wasserkarneval feiern und warten hierzu noch auf eine Antwort der Stadt. Und wenn alles gut läuft, können die Eberswalder und ihre Gäste eines Tages den Kanal in „Finowmaß“-Hausbooten erkunden, die selbstverständlich mit umweltfreundlichem Solarantrieb fahren, ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt und des Landkreises.
Es gibt noch weitere spannende Projekte, über die wir intern diskutieren, aber dafür ist es noch zu früh.

In der MOZ veröffentlicht am 10.2.2014